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In eigener Sache :                                                                                                                                                                                                                  Oettingen 7.10.2012

 

Originalität der in meiner Sammlung stehenden Haas Gelände-Max

 

Die jetzt im meiner Privatsammlung befindliche „Werner Haas Geländemax“ war das Privatfahrzeug vom damaligen mehrfachen Augsburger Straßenweltmeister Werner Haas, der aber auch noch mit einer NSU Werks Geländemax Rennen bestritt- hier liegen auch Bilder mit der dazugehörigen NSU Presseveröffentlichung vor.

Seine Privatmaschine nutzte Haas hauptsächlich in Heimatnähe um auch dort allerlei waghalsige Aktionen zu unternehmen- unter anderem fuhr er mit dieser Maschine legendär auf das Nebelhorn um zu zeigen was man mit einer NSU alles kann!

Werner Haas ließ sich die Maschine mit feinen Werksteilen nach seinen Wünschen bauen – z.B. die für die Geländemax umgebaute Sportmaxgabel mit zusätzlichen außen liegenden Stoßdämpfern und speziell angefertigten Schwinghebeln sowie das markante Heck mit den Aufnahmen für die hinteren Stoßdämpfer ( 1953 gab es nur die Standardmax mit Zentralfederbein) sind neben der massiven Fußrastenanlage die äußerlich auffälligsten Umbauten.

Neben weiteren diversen Verfeinerungen an Rahmen und Fahrgestell wurde natürlich auch der Motor nach den Wünschen vom Weltmeister angepasst.

Der Kopf war entsprechend bearbeitet- wesentlich größere Aus- und Einlässe mit den passenden großen Ventilen, die Sportnocke mit der von der Sportmax bekannten Einstellung per Kugel und nicht per Einstellschraube waren wie der auf das Fahrzeug angepasste 30er Del Orto SSI Renn-Vergaser und die auf den Motor angepasste Auspuffanlage natürlich alles Einzelanfertigungen die von der Serie abwichen.

Mein Freund Josef König war in dieser Zeit NSU Mechaniker bei der Firma Schweizer in Augsburg . Sein Chef war ein guter Spezl von Werner Haas der ja auch in Augsburg wohnte und dort  regelmäßig verkehrte.

Werner Haas verkaufte  das Motorrad im darauf folgenden Jahr in seinem Bekanntenkreis.

Die beiden nachfolgenden Besitzer waren auch aus dem Raum Augsburg und waren Kunden in der Augsburger NSU-Werkstatt in der Josef arbeitete . Josef König wusste also was er im Jahr 1958 kaufte und dass es sich um das Originalmotorrad von Werner Haas handelte, was aber mittlerweile stark verbraucht war.

Trotzdem bezahlte er dafür stolze 600.—DM was bei einem mageren Gesellengehalt im Jahr 1958 eine ganze Stange Geld war. Sein Chef und Werner Haas Freund lieh Ihm aber das Geld und Josef musste die Maschine abstottern in monatlichen Raten von seinem Gehalt als NSU Mechaniker.

Das war  Josef egal, denn er wollte auch mal mit dem passenden Motorrad an regionalen Geländerennen teilnehmen: Und das tat er dann auch mit der ehemaligen Haas Max- auch hier gibt es natürlich Bilder und genügend Zeitzeugen.

Da Josef die Maschine in relativ aufgebrauchtem Zustand erwarb und die Max auch für Fahrten zur Arbeit nach Augsburg täglich nutzte, wurden nach und nach diverse Teile ausgetauscht- unter anderem wurde vorne eine Horexgabe- Telegabel angebaut –war billiger als die Originaldämpfer von Haas zu überholen! Der Tank einer Fox angebaut, die Original - Sitzbank bequemer überzogen.  Die ganze Maschine wurde auch irgendwann noch rot lackiert- ebenfalls damals üblich um sich auch optisch von den überwiegend schwarzen Maschinen der anderen Fahrer abzusetzen.

Im Jahr 1961 meldete Josef das Motorrad endgültig ab und lagerte es in seiner privaten Werkstatt ein um es später vielleicht mal zu restaurieren.

Dazu kam es aber nicht mehr- weil Josef das Schicksal vieler Mechaniker ereilte . Er schraubte zwar Tag und Nacht an Motorrädern aber fast nur noch an Fahrzeugen anderer.  Mittlerweile hatte sich sein Leben verändert und er musste jetzt eine Familie ernähren und sein neu gebautes Haus abbezahlen – und für beides braucht man ja bekanntlich Geld !

 

So kam es das diese Max bis 2008 bei Josef im Lager war und darauf wartetet wieder aus dem Dornrösschenschlaf geweckt zu werden.

 

Ich lernte Josef bei dem ersten von mir in Oettingen durchgeführten  Oldtimer Motorrad Frühschoppen im Jahr 2007 kennen. Ich zeigte Ihm auch meine NSU Sammlung und erzählte von meinen Träumen und Plänen ein NSU Privatmuseum aufzubauen.

Josef war scheinbar sehr von meiner Idee angetan und meinte am Schluss unseres ersten längeren Gespräches lapidar :“Ich hab da noch die Original Haas Geländemax im Lager stehen , die würde eigentlich ganz gut in deine Sammlung passen. „ .

Klar dass ich nicht sofort glaubte was ich da hörte.

Aber ein baldiger Besuch bei Josef sollte mein Sammlerleben gründlich ändern !

Im Eck stand eine rot lackierte, umgebaute und stark ramponierte Gelände-Max mit Horexgabel. Aber daneben hatte Josef alle vom Ihm demontierten Originalteile die ganzen 50 JAHRE lang !! fein säuberlich aufbewahrt. Alles war im Original da- sogar der komplett eingerissene kleine Scheinwerfer und die alte Auspuffanlage. Und als  Krönung alle Originalpapiere die auch Herkunft und Werdegang der Maschine  fein säuberlich belegten.

 

Josef und ich waren uns schnell einig, dass wir das Projekt „Restauration der Haas Max „ gemeinsam durchziehen werden .

Alle Originalteile wurden wieder hergestellt und verwendet- lediglich Auspuff und Krümmer (35mm Durchmesser !!) mussten nachgefertigt werden, gibt es in der Grüße nicht von der Stange. Ebenso wurden die Felgen, die doch stark in Mitleidenschaft gezogen waren, erneuert.

 

Der Motor wurde von Josef fein säuberlich zerlegt und komplett von Grund auf neu aufgebaut.

Helmut Wahl senior von der Fa. Wahl Spezialkolben hat den passenden Spezial-Kolben nach Originalmuster aus dem zerlegten Motor angefertigt. Und in vielen vielen Stunden habe ich zusammen mit Josef und in Oettingen mit Hilfe meines Freundes  Georg Weinmann diese Maschine zu dem Prunkstück wieder aufgebaut wie sie jetzt ist.

 

Leider wird immer wieder die Originalität und Herkunft dieser Maschine angezweifelt. Obwohl auch noch der alte Besitzer Josef König gefragt werden kann, der ja dieses Motorrad fast tag genau 50 Jahre im Besitz hatte !!! Keiner dieser Herren hat sich aber jemals die Mühe gemacht, bei mir oder Josef genauer nachzufragen oder meine Unterlagen einzusehen.

 

Nachdem ich am 6.10.2012 in Sinsheim anlässlich der Motorrad Klassiker Tage einen Sonderpreis für diese Maschine bekam, was mich sehr gefreut hat  aber auch hier anfangs wieder die Originalität vereinzelt angezweifelt wurde , traf ich den Entschluß noch mal detailliert die Historie dieser einzigartigen Maschine aufzuschreiben und auch auf meiner Homepage zu veröffentlichen ! Hier handelt es sich wirklich um ein seltenes originales Unikat  und nicht nur um eine schöne Gelände-Max  von denen es ja viele gibt.

Prämierung in Sinsheim am 6.10.2012

Prämierung in Sinsheim am 6.10.2012

 

So das musste jetzt mal so ausführlich  geschrieben werden! Und jeder der ernsthaft Interesse hat diese Maschine näher kennen zu lernen , kann sich natürlich jederzeit bei mir in aller Ruhe alles noch mal ansehen und auch nachlesen.

 

 

Harald Janu

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